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Anatolische Teppiche und Kelims
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Kommentar:Michael Buddeberg, Oktober 2016
 
Besprechung:
Martin Posth, Gesammelte Schönheit – Teppiche und Kelims aus Anatolien, Eigenverlag des Autors, Berlin 2014, 224 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, € 72,00, ISBN 978-3-00-044526-2

Georg Butterweck, Gewebtes Paradies – Ein Streifzug durch die anatolische Textilkunst des 18. und 19. Jahrhunderts, Eigenverlag Martin Posth, Berlin 2016, 180 Seiten, Klappenbroschur, € 29,00, ISBN978-3-00-053301-3

Wilhelm von Bode (1845-1929) gilt als der Pionier sowohl des privaten wie auch des öffentlichen Sammelns von Teppichen. Bereits als junger Mann bewies er seinen Instinkt und sein hervorragendes Auge, als er für den Maler Heinrich von Angeli in Venedig den kleinen Wolkenband-Teppich kaufte, der heute einer der Stars des Museums für Islamische Kunst in Berlin ist. Weitere Erwerbungen folgten und mit der Schenkung von 21 Teppichen war der Grundstein der Teppichsammlung des Berliner Museums gelegt. Mit Julius Lessing (1843-1908), Friedrich Sarre (1865-1945), Ernst Kühnel (1882-1964) und Kurt Erdmann (1901-1964) wirkten weitere bedeutende Sammler, Orientalisten und Islamwissenschaftler am Aufbau der Berliner Teppichsammlung mit, die trotz schmerzlicher und tragischer Kriegsverluste bis heute zu den besten der Welt und für viele Besucher des islamischen Museums in Berlin zu den Höhepunkten dieses Museums gehört. Ob allerdings diese frühen Juwelen orientalischer Knüpfkunst eine Anregung zum Sammeln von Teppichen sein können, mag angesichts ihrer Einzigartigkeit bezweifelt werden.

Ganz anders ist das mit einer privaten Sammlung anatolischer Teppiche und Kelims des 18. und vorwiegend 19. Jahrhunderts, die seit Ende Oktober noch bis zum 3. Dezember 2016 in den Studio-Räumen der Bumiller Collection in Berlin-Kreuzberg, Naunynstr. 68, zu sehen ist. Der Sammler Martin Posth, schon als Jugendlicher durch seine Familie eng mit der Türkei verbunden, später im Management des VW-Konzerns vorwiegend in China tätig, hat in mehreren Jahrzehnten eine beachtliche Sammlung anatolischer Teppiche und Kelims zusammengetragen. Die jetzt in Berlin ausgestellte Auswahl von 46 Teppichen und 12 Kelims ist nicht nur ein Querschnitt durch die anatolische Textilkunst von den Küsten Kleinasiens bis ins ostanatolische Erzurum, sondern sie zeichnet sich dadurch aus, dass es sich durchweg um Exemplare handelt, die noch heute jeder Sammler mit Geduld, etwas Glück, gutem Auge und gar nicht mal sehr viel Geld im Handel oder auf Auktionen erwerben kann. Die Ausstellung will damit einen Beitrag leisten, dass sich die jüngere Generation wieder in stärkerem Maße mit der Tradition der orientalischen Textilkunst beschäftigt, sich für sie begeistert und vielleicht mit dem Sammeln beginnt. Und in der Tat – die Präsentation der Teppiche in den lichtdurchfluteten Räumen der Galerie Bumiller in einem ehemaligen Fabrikgebäude aus dem Jahre 1887, man denkt unwillkürlich an modernes Wohnen in einem Loft, glänzend beleuchtet mit moderner Lichttechnik (vorbei also die Zeiten als Teppiche und Textilien aus konservatorischen Gründen nur in schwachem Dämmerlicht betrachtet werden durften), lässt erahnen, wie sich die überbordende Farbenpracht, die unendliche Mustervielfalt und die regionalspezifische Symbolik und Ornamentik mit zeitgemäßem Wohndesign vereinbaren lässt. Oder sogar noch mehr: Die oft nüchterne, sparsame und farblich zurückhaltende und geradlinige Gestaltung modernen Wohnens und die Fantasie in Farbe und Form anatolischer Teppiche und Kelims können sich gegenseitig zu neuem Wohngefühl und ästhetischer Spannung ergänzen oder steigern. „Mit diesem Konzept,“ so der Sammler Martin Posth, „muss und kann es gelingen, dass die jungen Menschen die ästhetischen und kulturellen Werte, die sich in alten Teppichen und Kelims wiederfinden, für sich selbst als dauerhaft wertvoll wahrnehmen und dieses Bekenntnis in die nächste Generation hineintragen. Das Ausstellungsprojekt ist ein guter Schritt in diese Richtung“.

Wer die Objekte über das Ende der Ausstellung dauerhaft präsent haben möchte, dem stehen zwei Kataloge zur Verfügung. Bereits im Frühjahr 2004 hat Martin Posth mit einem im Selbstverlag herausgegebenem Katalog in einer kleinen und von ihm nummerierten und signierten Auflage 72 anatolische Teppiche und 22 Kelims aus seiner Sammlung, versehen mit einem Vorwort, Glossar, Literaturverzeichnis und kurzen Beschreibungen publiziert. Nur noch wenige Exemplare dieser Rarität sollen noch zur Verfügung stehen. Als Alternative oder auch Ergänzung kommt der Katalog der aktuellen Ausstellung mit 58 Exponaten in Frage, die zu einem guten Teil in dem älteren Buch nicht enthalten sind. Dieser Katalog enthält ein Grußwort von Cem Özdemir, dem Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Vorworte von Jana Posth, der Tochter des Sammlers, und Jill Bumiller, Leiterin der Galerie der Bumiller Collection und wurde geschrieben von Georg Butterweck aus Wien, Autor eines schon 1986 erchienenen Handbuchs über anatolische Teppiche. Hervorzuheben ist hier eine knappe Einführung in die anatolische Teppichkunst, vor allem aber die zu jedem der enthaltenen, großformatig abgebildeten und beschriebenen Teppiche und Kelims nicht nur zitierten sondern, wenn auch in kleinem Format, abgebildeten Vergleichsstücke.

Beide Kataloge sind zweisprachig Deutsch/Englisch. Sie können über Martin Posth, m.posth@t-online.de bezogen werden.
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