Adorning the Horse – Equestrian Textiles for Power and Prestige, 6th-20th Centuries

Autor/en          Sumru Belger Krody, Lee Talbot et al.

Verlag:            Textile Museum Washington DC                     

Erschienen:     Washington DC 2026

Seiten:             256

Buchart:          Hardcover

Preis:               USD/GBP 55,00

ISBN:             978-0-87405-045-5

Kommentar:    Michael Buddeberg

Bücher über den textilen Schmuck von Pferden gehören bislang zu den Raritäten der Teppich- und Textilliteratur. Das 1991 in Rom erschiene Buch von Taher Sabahi „Cavallerie d´Oriente“ ist längst vergriffen und antiquarisch kaum noch zu finden. Klaus Carls früher Digitaldruck seiner Sammlung „Schmuckpferdedecken“ erschien nur in einer Kleinstauflage (Modautal 2000) und ist auch Experten meist nicht bekannt. Immer noch zu haben ist Koos de Jongs 2013 in Hongkong erschienene, wunderbare Buch zum Thema unter dem Titel “Dragon and Horses“, beschränkt sich aber auf China und Tibet, ebenso wie sein Beitrag zur Sammlung Buddeberg im Katalog zur Ausstellung „Aus dem Land des Schneelöwen“, München 2016. So ist schon aus diesem Grund die Publikation zu einer Ausstellung des Textile Museum in Washington zu begrüßen. Mehr noch: Die 143 behandelten Objekte, die makellose Buchgestaltung, seitengroße Abbildungen in toto und stark vergrößernden Details und vor allem sechs von namhaften Kennern der Materie und auf die verschiedenen Herkunftsregionen bezogene Essays machen den Band zu einem Meilenstein der einschlägigen Literatur.

Diese Sammlung des Textile Museum ist keine systematisch nach bestimmten Kriterien aufgebaute Kollektion. Aus einem kleinen vom Museumsgründer George Hewitt Myers erworbenen Anfangsbestand ist sie im Laufe der Jahre durch Schenkungen und Vermächtnisse auf ihren aktuellen Umfang von 143 Stücken angewachsen, wobei die im Jahre 2021 vollzogene Schenkung von einhundert Pferdeschmuckobjekten der Sammlerin Brick Freedman den Löwenanteil ausmacht. Es ist daher nur konsequent, dass die Sammlerin mit einem umfänglichen und sehr persönlich gehaltenen Vorwort über ihren Einstieg und den Weg dieser Sammlung schreibt. Die fast schon sprichwörtliche Teenager-Begeisterung für Pferde verdichtete sich zum Beruf als sie mit ihrem Mann eine Farm für die Zucht, das Training und die Vorbereitung von Rennpferden betreibt. Dies und die kleinen und großen Geschichten, wie manches Stück in die Sammlung gelangte, von verpassten Gelegenheiten, von der Entscheidung, die Sammlung an ein Museum zu geben, kurz von Liebe und Leidenschaft zu diesen Textilien zu lesen ein Vergnügen, manchmal überraschend aber immer spannend.

Mit Archäologie und wissenschaftlicher Tiefe behandelt der einführende Essay von David Anthony und Dorcas Brown die vor etwa 5000 Jahre beginnende Geschichte der Domestizierung des Pferdes, die wohl in den zentralasiatischen Steppen begann und sich nach und nach in westlicher Richtung fortsetzte. Der damit verbundene Gewinn an Mobilität war ein wichtiger Indikator für einen Entwicklungssprung in der Frühgeschichte der Menschheit. Dem ältesten und wohl auch bedeutendsten Objekt der Sammlung ist der dann folgende Beitrag von Mariachiara Gasparini gewidmet. Die fast vollständig erhaltene, bestickte Satteldecke aus dem 5. bis 7. Jahrhundert entstand in Zentralasien oder China. Die Darstellung gegenständiger Pferde im Feld sowie in der breiten Bordüre perlenumrandete Medaillons mit mythischen Vögeln, Pfauen und Eberköpfen erinnern an sogdisches Mustergut. Der nicht bekannte Fundzusammenhang – vermutlich wurde dieses Teil, wie so viele alte asiatische Textilien in Tibet gefunden – und die geringe Anzahl von Vergleichsobjekten lassen viele Fragen offen. Gleichwohl, ein phantastisches textiles Kleinod.

Es folgen nicht weniger als 36 geknüpfte Textilien aus Tibet, hier insbesondere makden und masho, die unter und auf dem Sattel für Schutz und Bequemlichkeit für Pferd und Reiter sorgten, zahlreiche takyab als amulettartiger Schmuck für die Pferdestirn und einige der sehr seltenen Kruppenteppiche, die Verletzungen des Reittieres durch den Schweifriemen zu verhindern halfen. Den Essay dazu schrieb Thomas Cole, einer der besten Kenner von Tibet, seiner materiellen Kultur, Religion und Geschichte und der Bedeutung des Pferdes für dieses auf dem Dach der Welt lebende Volk, das bis ins 20. Jahrhundert das Rad nicht kannte. Kein Wunder also, dass kein anderes der teppichknüpfenden Völker eine solche Vielfalt von Kleidern für die Pferde entwickelt und gebraucht hat. Zu kritisieren ist hier allein, dass sich die sonst zwar knappen aber ausreichenden Strukturanalysen bei den tibetischen Knüpfarbeiten auf die Angabe „loop pile“ (Schlingenknoten) beschränken, was nach der Untersuchung von Elena Tsareva in dem bereits genannten Buch „Aus dem Land des Schneelöwen“ der nur in Tibet angewandten und sehr differenzierten Knüpftechnik kaum gerecht wird.

Lee Talbot, Kurator für Ostasien am Textile Museum führt in die chinesischen und japanischen Pferdetextilien der Sammlung ein. Ein Thema ist hier die oft enge Verwandtschaft dieser chinesischen Sattelteppiche aus Ningxia mit den entsprechenden aus Tibet. Diese Stücke mit sehr ähnlichen oder gar identischen Mustern sind oft nur an der Struktur zu unterscheiden. Japanischer Pferdeschmuck schließlich, gewebte Arbeiten oder gar aus Papier und vergoldetem Leder kombiniert, sind in diesem Zusammenhang ausgesprochene Exoten.

Etwa die Hälfte der Sammlung, stammt aus islamischen Ländern und wird im Katalog von einem Beitrag von Linda Komaroff (Los Angeles County Museum of Art) begleitet. Pferdeschmuck, vor allem aus Persien, Indien und dem Osmanischen Reich bietet ein reiches Feld unterschiedlichster Formen und Techniken. Bezeichnend ist hier, dass schon der Prophet im Koran festgestellt hat, dass die Liebe zum und die Lust am Pferd zu den Freuden des Lebens gehört (Sure 3/14). Komaroffs Essay behandelt das Thema anhand von mehr als einem Dutzend Miniaturen, meist aus Manuskripten des 16. Jahrhunderts, die mit großem Detailreichtum prächtig geschmückte „Araber“ zeigen, also Pferde aus einer der ältesten und edelsten Pferderassen.

Sumru Beler Krody, die Chefkuratorin  des Textile Museums behandelt die zentralasiatischen Objekte etwa aus Usbekistan oder nomadischen Ursprungs von den Stämmen der Lakai oder der Yomut. Vor allem aber führt sie mit Hinweisen auf einzelne Objekte der Sammlung und deren Besonderheiten durch die Highlights der Ausstellung und betont, was uns die erstaunliche Vielfalt an Formen, Mustern, Techniken und Dekorvarianten erzählt. Es ist die Wertschätzung des Pferdes und die Liebe dieser Reiterkulturen zu ihren Pferden, ihre Sorge um deren Gesundheit und Wohlergehen. Gleichzeitig ist die textile Ausstattung des Pferdes, der reiche geknüpfte und gewebte Schmuck stets auch ein Symbol für Status, Macht und Reichtum des Reiters. Die Summe all dieser Umstände hat einen textilen Schatz geschaffen, den diese Publikation meisterhaft präsentiert.

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